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Kiel.
Im Rahmen des ersten Gesprächs mit den Spitzenkandidaten zur
Landtagswahl 2012 stellte sich am Freitag, den 16. März,
SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig in der Jugendherberge Kiel den
Fragen von über 50 Vertreterinnen und Vertretern der
Jugendverbände. An der Veranstaltung nahm auch Daniel Zeiser für
die dbb jugend sh teil. In der vom Landesjugendring
organisierten Veranstaltung trat Albig dafür ein, die
Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Bildungsträgern
von Kindertagesstätten, Schulen und Jugendarbeit noch
konsequenter auszubauen und alle Kinder möglichst früh zu
fördern, um soziale Benachteiligung zu überwinden. In Bezug auf
den demographischen Wandel in Schleswig-Holstein forderte er,
die Zusammenarbeit der Kommunen, insbesondere im ländlichen Raum
auszubauen, um Doppelstrukturen in der Infrastruktur zu
vermeiden.
Angesprochen auf die
Kürzungen der Landesregierung bei Jugendarbeit und Bildung
machte Albig unmissverständlich klar, dass auch für eine
sozialdemokratische Landesregierung die Schuldenbremse gelten
werde, der Maßstab für Haushaltsentscheidungen müsse aber die
Überwindung von sozialer Ungleichheit sein. In diesem
Zusammenhang verwies er darauf, dass nicht nur gefragt werden
müsse, wie bestimmte Ausgaben für Bildung finanziert werden
können, sondern auch die Frage zulässig sein müsse, wie teuer es
die Gesellschaft komme, bestimmte Investitionen in
Kindertagesstätten, Schulen und Jugendarbeit zu unterlassen.
Ausgehend von seinen
Erfahrungen als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel mit
Problemstadtteilen wie Gaarden und Mettenhof plädierte er für
eine integrierte Arbeits-, Jugend- und Bildungspolitik, um durch
eine gute politische Steuerung möglichst viel Fehlsteuerung zu
vermeiden.
Von den Schulen
forderte er eine höhere Bereitschaft mit außerschulischen
Trägern zusammen zu arbeiten, weil seines Erachtens die Zeit,
die Kinder und Jugendliche in Schulen verbringen, in Zukunft
noch zunehmen werde. Im Rahmen von Ganztagsangeboten sah er gute
Chancen für eine verstärkte Kooperation von Schulen und
Jugendarbeit.
Auch wenn er es
bewusst vermied, konkrete Versprechungen für eine zusätzliche
Förderung für die außerschulische Jugendbildung abzugeben,
machte er doch klar, dass die ehrenamtliche Jugendarbeit von
zentraler Bedeutung für die Jugendarbeit im Lande sei. Zur
Unterstützung der in Schleswig-Holstein überwiegend von den über
20.000 Ehrenamtlichen getragenen Jugendarbeit trat er dafür ein,
die haupt- und ehrenamtliche Arbeit noch stärker miteinander zu
verzahnen. Gleichzeitig räumte er ein, dass der demographische
Wandel mit teilweise über 20 Prozent Bevölkerungsverlust im
ländlichen Raum und leichten Zuwächsen in den
Hochschulstandorten kaum zurückdrehbar sei. Trotzdem sah er auf
mittlere Sicht gute Entwicklungschancen für Schleswig-Holstein
als Lebensraum zwischen den Ballungsräumen Hamburg und
Kopenhagen.
Eindeutig zustimmend
äußerte er sich zur Einführung des Wahlalters 16 bei
Landtagswahlen. „Ich verstehe nicht, weshalb das in den Kommunen
geht, im Land aber nicht. Ich erlebe Jugendliche in der Regel
hoch kompetent,“ erklärte Albig.
Angesprochen auf die
Schulpolitik bekannte sich Torsten Albig zum Gymnasium mit 8
Jahren Schulzeit bis zum Abitur und zu Gemeinschaftsschulen, auf
denen in 9 Jahren das Abitur erworben werden kann. Wichtige
Verbesserungsmöglichkeiten sah er in der Bildungspolitik darin,
die Übergänge zwischen den Bildungsgängen zu optimieren, die
Öffnung der Schulen in die Sozialräume hinein voran zu bringen
und die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrern mehr wert zu schätzen
und zu unterstützen z.B. auch durch die Verstärkung der
Schulsozialarbeit.
Nach der etwa
zweistündigen Diskussion vereinbarten Moderator Hannes Clausen,
Landesjugendring und Torsten Albig weiterhin im Gespräch zu
bleiben.
Redaktion: Jens Peter Jensen
Foto: SPD Kiel |